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  • Nina

Unnatürlich? Von wegen! Homosexualität im Tierreich

Aktualisiert: 30. Juni 2019

Häufig wird Homosexualität als unnatürlich und als Fehler in der Evolution bezeichnet, da sich Homosexuelle nicht fortpflanzen würden. Aber Fakt ist, bei den meisten Tierarten werden sexuelle Interaktionen und Paarbindungen unter gleichgeschlechtlichen Tieren beobachtet; was es in der Tierwelt nicht gibt, ist Homophobie. Es ist allerdings schwierig, Homosexualität bei Tieren zu interpretieren, da Homosexualität, so wie wir sie definieren, auch eine Frage der Identität ist. Bei Tieren kann man aber «nur» das Verhalten deuten und verschiedene Interaktionen unter gleichgeschlechtlichen Individuen beobachten: Balzverhalten, Paarbindungen, gemeinsame Aufzucht von Jungtieren und sexuelle Interaktionen.


Bonobos, beispielsweise, sind bekannt für ihre sexuelle Aktivität und die Mehrheit sexueller Interaktionen findet zwischen zwei (oder mehr) Weibchen statt. Dabei werden sexuelle Interaktionen im Tierreich oft auch zur Stärkung von Paarbindungen, des Gruppenzusammenhalts und zur Schlichtung von Konflikten verwendet. Bonobos sind da keine Ausnahme. Sexuelle Interaktionen zwischen gleichgeschlechtlichen Tieren wurden bei allen Menschenaffen beobachtet, wobei sie aber bei den Bonobos am häufigsten vorkommen. Doch nicht nur Menschenaffen, sondern auch die meisten anderen Säugetiere wurden bei gleichgeschlechtlichen sexuellen Interaktionen beobachtet. Bei Schafen entscheiden sich zum Beispiel 6-12% der Böcke, sich mit einem anderen Bock zu paaren, wenn sie die Wahl zwischen einem männlichen und einem weiblichen Geschlechtspartner haben. Auch bei Giraffen findet ein Grossteil der sexuellen Interaktionen zwischen Männchen statt. Die Liste weiterer Säugetiere ist lang und beinhaltet Löwen, Hyänen, Delfine, Fledermäuse, Murmeltiere, Walrosse - um nur einige zu nennen. Nicht nur Säugetiere, sondern auch Vögel, Reptilien und Insekten wurden bei gleichgeschlechtlichen sexueller Interaktionen beobachtet.

Homosexualität ist jedoch mehr als reine sexuelle Interaktionen; auch Paarbindungen und gemeinsamer Nestbau und Nachwuchsaufzucht kann bei den meisten Tieren beobachtet werden. Bei Makaken bilden Weibchen monogame Paare, schlafen zusammen, machen gegenseitige Fellpflege und verteidigen sich gegen Eindringlinge. Vögel sind bekannt für lebenslange sozial monogame Paarbindungen, und da sind gleichgeschlechtliche Bindungen keine Ausnahme. Hennen formen Paarbindungen, legen unbefruchtete Eier und versuchen diese gemeinsam auszubrüten. Bei Lachmöwen, Laysanalbatrossen und Schwänen finden sich regelmässig gleichgeschlechtliche Paare und bis zu 30% der Brutpaare bestehen aus zwei Weibchen, welche auch gemeinsam Junge aufziehen (welche von eine Männchen der Population gezeugt wurden). Auch Schwanenpaare aus zwei Männchen ziehen gemeinsam Junge auf, indem sie entweder verlassene Nester übernehmen oder sich auch mit Weibchen paaren und diese nach der Eiablage vertreiben.


Es gibt verschiedene Gründe, warum Homosexualität kein Widerspruch in der Evolution darstellt. Eine Theorie ist die Verwandtenselektion, bei welcher einige Tiere in einer Familengruppe auf die eigene Fortpflanzung verzichten und stattdessen bei der Aufzucht von Jungtieren von Verwandten helfen. Somit steigern sie den Reproduktionserfolg der Gruppe. Ausserdem sind die meisten Tiere nicht strikt homosexuell, sondern paaren sich zu Fortpflanzungszwecken mit dem anderen Geschlecht. Homosexualität war über lange Zeit ein Tabuthema in der Forschung und es gibt noch wenige wissenschaftliche Studien. Dies könnte sich mit der grösseren Akzeptanz der menschlichen Homosexualität in Zukunft ändern.




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