Suche
  • Nina

Warum die Klimaerwärumung das Geschlechterverhältnis beeinflussen kann.

Aktualisiert: 19. Aug 2019

Ich bin gerade zurück aus Papua-Neuguinea, wo ich die Verbreitung von Fischen im Korallenriff untersucht habe. Dabei untersuche ich vor allem den Orangen Clownfisch (Amphiprion percula). Durch Nemo und seinen alleinerziehenden Vater Marvin aus dem Film «Findet Nemo» hat diese Spezies weltweite Berühmtheit erlangt.

Der Film würde jedoch ziemlich anders aussehen, wenn ein/e Biologe/in den Film geschrieben hätte. Der orange Clownfisch ist nämlich wie alle Anemonenfische ein sogenannter sequentieller Hermaphrodit, was bedeutet, dass Individuen über die Zeit das Geschlecht wechseln. In einer Anemone leben ein brütendes Weibchen und ein brütendes Männchen und je nach Grösse der Anemone ein bis mehrere Subadulte (Jugendliche) und Larven. Nach der Geburt begeben sich Clownfischlarven auf eine weite Reise. Sie gelangen als Larven in den offenen Ozean, wo sie 10-13 Tagen herumtreiben, bis sie, wenn sie Glück haben, ein Riff mit einer Anemone finden, die noch nicht komplett besetzt ist. Auf dieser Anemone verbringen sie den Rest ihres Lebens.

Beim Niederlassen auf einer Anemone sind die Larven meist ~0.5 cm gross. Der grösste geschlechtsreife Fisch in der Anemone ist immer das brütende Weibchen. Der zweitgrösste Fisch ist das brütende Männchen und alle anderen sind nicht-brütende Subadulte. Stirbt das Weibchen oder wird es weggefischt, so entwickelt sich das Männchen, das nun der grösste Fisch ist, zu einem brütenden Weibchen und der grösste subadulte Fisch wird zum brütenden Männchen.


Wie ist eine so komplexe Umwandlung möglich? Bei Clownfischen (wie auch bei vielen anderen Fischen) ist das biologische Geschlecht nicht genetisch bestimmt, sondern hängt von Umweltfaktoren ab, in diesem Fall von der sozialen Umwelt. Bei anderen Fischen kann zum Beispiel das Alter entscheidend sein für den Geschlechterwechsel. Wenn sich ein männlicher Clownfisch zu einem Weibchen entwickelt, degenerieren die männlichen Geschlechtsorgane, während die weiblichen Geschlechtsorgane sich entwickeln.


Aus evolutionärer Sicht macht sequentieller Hermaphroditismus durchaus Sinn. Bei Clownfischen zum Beispiel haben kleinere Individuen mehr Fortpflanzungserfolg als Männchen denn als Weibchen, und grössere Individuen haben mehr Erfolg, wenn sie weiblich anstatt männlich sind. Um einen möglichst grossen Fortpflanzungserfolg zu haben, ist es also sinnvoll, männlich zu sein wenn man klein ist, und weiblich, wenn man gross ist. Dies lässt sich damit erklären, dass bei Fischen die Anzahl an Eiern, die ein Weibchen produzieren kann, abhängig von der Grösse des Weibchens ist. Grössere Weibchen legen also mehr Eier als kleinere. Und weil das Männchen keinen Nachteil hat, klein zu sein, kann sich ein Geschlechterwechsel entwickeln. Auch bei vielen Blütenpflanzen gibt es häufig eine Form von sequentiellem Hermaphroditismus. Bei Pflanzen wird jedoch davon ausgegangen, dass sich dieser Mechanismus zum Verhindern von Selbstbestäubung entwickelt hat.


Umweltbedingte Geschlechtsdetermination muss nicht unbedingt bedeuten, dass das Geschlecht gewechselt wird. Krokodile, Schildkröten und Eidechsen wechseln zwar nicht das Geschlecht im Verlaufe ihres Lebens, es ist aber auch nicht genetisch bestimmt. In einem Reptiliennest herrschen verschiedene Temperaturen, so dass Eier bei unterschiedlichen Temperaturen inkubieren. Schildkröteneier, die höheren Temperaturen ausgesetzt sind, entwicklen sich eher zu Weibchen. Bei Alligatoren ist es gerade umgekehrt und Eier, die ca. 34°C ausgesetzt sind, entwickeln sich eher zu Männchen, während sich Eier um die 30°C zu Weibchen entwickeln. Wenn sich das Klima erwärmt, kann das zu grossen Problem in einer Populationen führen, da es plötzlich einen Überschuss des einen Geschlechts geben kann.




18 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen